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Die soziale Plastik als Vision

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Soziale Plastik – Ein Versuch ...

Es geht nur noch mit der Kunst, alle anderen Methoden sind verbraucht...
(Joseph Beuys)

Joseph Beuys, einer der bedeutendsten Künstler der Nachkriegszeit, hat in der Kunst ein Potenzial zutage gefördert, das vorher kaum beachtet war. Dass jeder Mensch, potenziell, ein Gestalter des sozialen Organismus ist, bildet den Kern seines Erweiterten Kunstbegriffes: „Jeder Mensch ist ein Künstler“.

Bedeutet dies, dass alles zu Kunst wird? - selbstverständlich ist dies nicht damit gemeint. Erst eine Krise („ich musste alles auf neue Begriffe bringen“), sowie eine tiefe Auseinandersetzung mit anthropologischen Fragen führten zu dem, was die Grenzen des herkömmlichen Kunstbegriffs radikal überschreitet: zur „Sozialen Plastik“.

Sein Werk - u. a. - enthält viele Beispiele dafür, dass nicht nur physisches Material Element künstlerischer Kreativität und Formgebung sein kann. Auch geistiges Material, das Denken selbst, muss zum Gegenstand der Kunst werden. Begriffe sollen verlebendigt werden, daraus entstehen wiederum Taten und Handlungen, die die Gesellschaft neu befruchten .. . „Die alten Bäume sterben ab, neue wachsen nach. Sie sind die Zukunft. Make the secrets productiv!“

 In Steiner fand er einen Wegbereiter für diese neue Kunstgattung. Seine Forschungen zur Dreigliederung besagen, dass unsere Gesellschaft aus den Bereichen Geistesleben, Rechtsleben und Wirtschaftsleben besteht, innerhalb derer die Ideale der Französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit – ihre Anwendung finden können.

 Derartige Gesetzmäßigkeiten – man könnte sie auch Urbilder nennen – sind Formvorschläge, wie soziale Organismen bzw. die Soziale Plastik gestaltet werden sollte, und zwar nicht, weil man sich eine schöne Idee als Utopie ausgedacht hat, sondern vielmehr weil die sozialen Organismen in diese Richtung hin angelegt sind und dahin drängen.

Wie können wir damit umgehen / agieren? Politik als Mittel hat sich schon lange selbst diskreditiert. Die angesprochene künstlerische Methode bewegt Energien in ihren Polen: Wärme und Kälte, Chaos und Form, das Weibliche und das Männliche. Es ist die männliche Geste des Vorwärtsdrängens, des Sich-Hinein-Arbeitens, des Handelns, des in die Form-Kommen-Wollens. Die andere Seite könnte man eher eine weibliche Geste nennen: das Empfangen, das Geschehen-Lassen, das Vertrauen auf das Werden eines durch höhere Führung geleiteten Kommens aus der Zukunft. Es käme auf ein Sowohl-als-auch an, auf ein Pendeln in diesen Haltungen.

Der Erweiterte Kunstbegriff schmilzt Trennungen von Kunst, Politik und alltäglichem Leben auf und lässt gleichzeitig notwendige Differenzierungen bestehen. Er stellt den Menschen, der Künstler ist, in die Mitte und an den Ausgangspunkt jeder Veränderung und Transformation.

Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kraft der menschlichen Kreativität.
Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kunst.
(Joseph Beuys)

Rainer Rappmann / Annette Wölfle
Weitere Quellen: www.fiu-verlag.com

Film über Joseph Beuys:
"Jeder Mensch ist ein Künstler" (Portrait)